Grenztour AG - Schlussetappen 24 / 25
Am 13./14. September 2003, Bilder von Thomas Fuhrer, Robert Lüscher und Thomas Fehlmann.
Tourenbericht:
24. Etappe: Von Wittnau auf die Schafmatt am Samstag, 13. September
In Wittnau besammelten sich 135 Wanderer zur zweitletzten Etappe unter der wiederum prächtig lachenden Septembersonne,
manch einer mit der bangen Frage: Was werden wir am nächsten Samstag tun? Unter der Leitung von Hansruedi Nideröst ging es
sofort steil hinauf auf den Tellerrand des Altenberg, einer der prächtigen Hochebenen im Tafeljura (Bild 1).
Ein prächtiger Blick auf Wasserflue, Kettenjura und Schwarzwald lohnte die Mühe.
Weiter ging's im vertrauten Tatzelwurm - Schritt (Bild 2) zum alpin anmutenden Anstieg zur Flur Burg (Bild 3).
Da findet man keine Ruine, obwohl die von den Bauern aus den Feldern weggeräumten Steine just dies vermuten liessen.
Hingegen sass man wie auf einer Bühne (Bild 4) an der wärmenden Sonne und lauschte den Ausführungen von Gemeinderat
Gubler von Kienberg, wie man seinerzeit Habsburg entgangen und von den Solothurnern erworben wurde, und nun doch
ganz nach Basel orientiert sei hier ennet dem Geissfluhgrat.
Weiter ging es - immer noch etwas bergauf - zu den Salhöfen (Bild 5), wo uns Bauer Bitterli begrüsste und verköstigte
und Interessantes zum Thema ökologische Landwirtschaft und den Forderungen der 21 südlichen WTO-Staaten nach
Streichung aller Subventionen berichtete.
Bald schon jedoch war die Schafmatt erreicht. Nach einer kurzen Vorstellung der Aarauer Sternwarte war schon
wieder Zeit für ein Apéro mit Kaffee und Kuchen vor dem Berghaus Schafmatt. Hier durften die 35 Auserwählten
bleiben zum Nachtessen und zur kurzen Nachtruhe, während die anderen nach ausgiebiger Verköstigung auf den Bus
in der Barmelweid zielten.
Bei prächtiger Abendsonne genossen wir die Zeit bis zum Nachtessen, unterbrochen nur von den Vorbereitungen zum
morgigen Frühstücksbuffet. Unsere SAC-Kameraden Thomas Lüthi und Heidi Abt bereiteten im Grand Hotel Schafmatt
ein ausgezeichnetes Nachtessen vor mit allem, was dazugehört (Bild 6), sogar einer Menükarte.
Als Höhepunkt des nun folgenden bunten Abends mit Gesang und originalem Chelenalp-Kafi war der Besuch der
Sternwarte geplant. Dies konnte nur in kleinen Gruppen geschehen, so dass die Abwesenden noch gar nichts verpasst
haben. Nur uns schien es zunächst, als Petrus wider alle Grenztour-Gewohnheit plötzlich die Schleusen des Himmels
öffnete, dafür aber den Blick auf die Planeten und Sterne verschloss, als müssten wir nun etwas verpassen.
Aber wie immer auf dieser Grenztour, so war uns Petrus auch diesmal wohlgesinnt. Gegen elf Uhr, als die Lieder
gesungen und der Kafi getrunken war, klärte der Himmel auf, und wir genossen den Blick auf den nahen Mars
und den Mond und auf ein Doppelgestirn im Sternbild "Schwan" (Bild 7) durch die recht leistungsfähigen
Teleskope der Sternwarte Aarau.
Lange nach Mitternacht noch blickten wir zurück auf die vielen Bilder dieser Grenztour, von Etappe 1 bis 24,
vorgeführt mit Computer und Beamer, und erst nach zwei Uhr rief das etwas enge Nest zur Ruh' doch noch immer nicht alle,
denn zunächst musste noch das Morgenbuffet vorbereitet werden.
25. Etappe: Von der Schafmatt nach Aarau am Sonntag, 14. September
Bald schon wurden die Berge von der Morgensonne rot und wir frisch auf zum Frühstück, das grosse Morgenbuffet (Bild 8)
aufgetischt, und schon kamen die ersten Wandervögel, die nicht auf den Extrabus vom Bahnhof Aarau warten mochten.
Fast zweihundert (193) sonntäglich gestimmte Grenzwanderer wurden von Pfarrer Mäder aus Schöftland begrüsst und
eingestimmt auf diesen herrlichen Tag. Das Wort vom Sinn des Wandern weckte den Appetit, so dass auch dieses Buffet
nicht lange währte und der frische Zopf nicht alt wurde.
Nun ging es zum letzten Mal auf dieser Grenztour den Berg hinauf, zur Geissflue (Bild 9) und zum höchsten, noch
namenlosen Punkt des Kantons Aargau auf dem Geissfluegrat. Weiter zur Salhöchi, wo uns eine garstige Bise schon
bald wieder weiter auf die Wasserflue (Bild 10) trieb.
Dort genossen wir eine prächtige Rundsicht auf Alpen (Bild 11) und Schwarzwald, und grosse Teile der Grenztour konnte
man - ohne Beamer - nochmals nachvollziehen. Ebenfalls überrascht wurden wir von einer Teilnehmerin mit einem
herrlichen Sonntagszopf zum z'Mittag. Nach ausgiebigem Genuss kam dann der Hauptteil der versprochenen 700
Höhenmeter talwärts, und manch einem Teilnehmer, der sonst mit dem Bus zur Hard oder zum Benkerjoch fährt,
wenn er auf die Wasserfluh will, kam nun der Kanton Aargau gar nicht mehr so flach vor. Unterwegs lernten
wir von Martin Bolliger, einem Biologen, einiges über den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft, Rodung und
Artenvielfalt - gäbe es keine agrikulturell agil rodende Menschen, dann müsste der Hase genauso weichen wie
Schmetterling, und Blumen würden vergeblich nach Licht und Wasser streben; sie würden erstickt vom wilden
Dickicht und den grossen Bäumen. Auch dies ist der Sinn des Begriffs 2Kulturkanton".
Nun blieb noch der Abschluss übrig: Ein grossartiges Buffet mit Bratwurst und Wein, offeriert von der
Raiffeisenbank und serviert von deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ihren Sonntag der Grenztour
geopfert hatten. Um 17:15 begrüsste uns Landamman Peter Beyeler und Staatsschreiber Marc Pfirter im Grossratssaal
(Bild 12). Die Plätze der Regierung nahmen diesmal die Tourenleiter ein, und auf der vordersten Bank sassen die
sieben ausdauernden Grenzwanderer, die alle 25 Etappen mitgemacht hatten und von der Regierungsvertretung dafür mit
einem Buch von Bruno Schelbert geehrt wurden. Grussworte und Dankesworte wurden ausgetauscht, spontan meldeten sich
Teilnehmer und drückten ihren Dank und ihre Freude aus über die gelungene Grenztour. Zum Schluss wurden die
Geburtstagskinder mit einem Lied geehrt - es waren nämlich zwei: Der Kanton, und unsere liebe Clubkameradin
Astrid Nideröst, die just an diesem Sonntag ihren 65. Geburtstag feiern durfte.
An dieser Stelle legt nun auch der Berichterstatter und Grenztour-Photograph die Feder nieder (besser: er schliesst
den Deckel seines Laptops) und gibt sich seinen eigenen Gedanken hin. Wir haben nun in 24 Samstagen und einem
Sonntag erlebt: Strohdachhaus, Schloss Aarburg, St. Urban, Stadt Zofingen, Bergblick im Suhrental, Gletschertäler
und Moränen, Industrie und Handwerk im Wynental, Hallwilersee, Söriker Tobel, Kloster Muri, Barocke Kirchen im
Freiamt, Kapelle Jonen, Römische Villen, Egelsee, Lägern, Kaiserstuhl, Warten am Rhein, Kirchbuck in Zurzach,
Vogelparadies Klingnau, Laufenburg, Trompeter von Säckingen, Fähren am Rhein, Rheinfelden und die Solbäder,
Augusta Raurica und das Kastell, Olsberg, Wittnauer Horn, und schliesslich die Sternwarte und die Wasserflue.
Eine lange Liste, und keineswegs vollständig! Ist es nicht eine wundervolle Heimat, in der wir leben?
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